London-Deklaration zum Säkularismus

Auf Religion basierende Regierungen waren in der Geschichte der menschlichen Gesellschaften üblich und sind es auch heute noch. Wir sind Zeug*innen der schädlichen sozialen und politischen Folgen religiösen Regierens, wir schätzen stattdessen Menschenwürde, Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und Gleichheit. Wir sind der Auffassung, dass Säkularität der beste Ansatz für Politik und Staatsordnung ist und dass sie sich als ein größeres Potential für menschliche Freiheit, Glück und Gleichheit erwiesen hat als alle anderen politischen Regelungen in der Geschichte.

Wenn wir davon sprechen, dass ein Rechtssystem „säkular“ ist, meinen wir

  • Die Institutionen des Staates und die Institutionen der Religionen und anderer Lebensauffassungen sind voneinander getrennt und unabhängig.
  • Der Staat diskriminiert Personen oder Organisationen nicht aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens oder des Fehlens eines solchen.
  • Alle Menschen, einschließlich der Kinder entsprechend ihrer Entwicklungsreife, haben das geschützte Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religions- oder Glaubensfreiheit bis zu den Grenzen, die mit den Menschen- und Bürger*innenrechten und Bürger*innenfreiheiten anderer vereinbar sind.

Säkularismus wird von einigen fälschlicherweise so dargestellt, dass er die Dominanz nicht-religiöser Lebensauffassungen oder die Unterdrückung religiöser Minderheiten mit sich bringt. Wir halten an unserer Verpflichtung fest, gegen einen solchen Missbrauch von Säkularismus einzutreten:

Staatliche Säkularität sollte die Freiheit für alle garantieren, auch für religiöse Gläubige. In einem säkularen Staat sollte keine Person aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens privilegiert oder benachteiligt werden.

Säkularität sollte die Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung gewährleisten. Kritik und eine offene Debatte zwischen und gegenüber religiösen und nicht-religiösen Organisationen sind von wesentlicher Bedeutung, insbesondere für diejenigen, die eine Religionsgemeinschaft verlassen, ihre religiösen Überzeugungen ändern oder religiöse Ideen in Frage stellen oder reformieren wollen. Die „Etablierung“ von Religion engt den Raum für Pluralismus ein und erstickt die Debatte, aber Säkularität gibt allen Raum und fördert eine offene, ehrliche Diskussion.

Säkularität sollte integrativ sein. Ein säkularer Staat erkennt an, dass Menschen viele verschiedene religiöse und nichtreligiöse Weltanschauungen vertreten und dass die öffentlichen Institutionen und Dienste, die gemeinsam genutzt werden, angesichts dieser Pluralität unparteiisch bleiben sollten. Dies bedeutet nicht, dass das Recht, einen Glauben zum Ausdruck zu bringen, zu einer unbegrenzten „Religionsfreiheit“ mit dem impliziten Recht wird, religiöse Praktiken durchzusetzen oder andere zu diskriminieren; die Religions- und Glaubensfreiheit muss stets gegenüber den Rechten und Freiheiten anderer abgewogen werden. Säkularität sollte sicherstellen, dass alle Bürger*innen vor dem Gesetz gleich sind.

Wir verpflichten uns bei all unserer Arbeit, den säkularen Ansatz gegenüber dem Staat aufrechtzuerhalten und zu fördern und ein besseres Verständnis für die Prinzipien und Vorteile von Säkularität zu entwickeln.

Wir fordern jede unserer Mitgliedsorganisationen und Humanist*innen weltweit nachdrücklich auf, in ihren Gemeinschaften ein größeres allgemeines Verständnis dafür zu fördern, was Säkularismus ist und was seine Vorteile sind; ihre Regierungen aufzurufen, im Interesse aller ihrer Bürger*innen größere Fortschritte in Richtung Säkularität zu machen; und sich mit Humanist*innen und anderen weltweit zusammenzuschließen, um Säkularität zum Wohle der ganzen Menschheit zu verteidigen und voranzubringen.


Die Deklaration wurde im Rahmen der Generalversammlung der Humanists International 2017 in London, Vereinigtes Königreich, beschlossen. Quelle: humanists.international

Empfehlung zur wissenschaftlichen Zitierweise:
‚London Declaration on Secularism‘, Humanists International, General Assembly, London, United Kingdom, 2017

Sie können die Deklaration bekannter machen:

Mehr Texte hier: docs.humanistisch.net


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Ins Deutsche ist die London-Deklaration zum Säkularismus schon übersetzt worden. Übersetzungen in Weltsprachen wie Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Arabisch, Chinesisch, Russisch, Hindi, Japanisch oder Koreanisch fehlen bislang allerdings. Um die London-Deklaration vielen weiteren Millionen Menschen mit der Offenheit für humanistische Auffassungen, Ideen und Werte weltweit zugänglich zu machen, suchen die Humanists International (HI) ehrenamtliche ÜbersetzerInnen.

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