Die Oslo-Deklaration

Viele HumanistInnen, von den Carvaka-Lehrern des alten Indiens bis zu Bertrand Russell und von den Epikureern im alten Europa bis zu Jawaharlal Nehru, haben hart für Frieden gearbeitet. Weil das individuelle menschliche Leben einen unersetzlichen Wert hat, alle Probleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, im Hier und Jetzt gelöst werden müssen, und wir uns für die aktive Nutzung der menschlichen Vernunft und des Mitgefühls bei der Bewältigung dieser Probleme einsetzen, glauben wir:

  1. Alle Kriege werden von Menschen geführt und können dadurch beendet werden, dass Menschen zusammenarbeiten. Gewalttätige Konflikte sind enorm destruktiv, zerstören Leben, verschwenden Ressourcen und belasten die Umwelt. Manchmal ist dies vielleicht der einzige Weg, um größeren Schaden zu verhindern, aber es sollte immer das allerletzte Mittel sein, und wir sollten daran arbeiten, Kriege zu beenden.
  2. Dies ist möglich. So wie die menschlichen Wissenschaften die Mittel der totalen Zerstörung in unsere Hände gelegt haben, so kann auch das wissenschaftliche Verständnis der Menschheit uns helfen, die Ursachen des Krieges zu verstehen und zu überwinden. Wir sind nicht biologisch auf unvermeidliche gewaltsame Konflikte gepolt und unsere Natur als soziale Lebewesen kann tatsächlich eine Quelle des Friedens sein, obwohl wir hart dafür arbeiten und bewusst ethische Entscheidungen treffen müssen, um unser Verhalten zu kontrollieren.
  3. Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden erfordert Achtung des Wertes und der Würde unserer Mitmenschen, Toleranz zwischen Individuen und Harmonie innerhalb jedes Einzelnen. Frieden erfordert außerdem globale Gerechtigkeit anstelle von globalen Ungleichheiten, nicht zuletzt die Beseitigung von Hunger und Durst in einer Welt, die im Überfluss produziert.
  4. Die übermäßige Bevorratung von Waffen in der ganzen Welt stellt eine Bedrohung für den Frieden dar. Die Schaffung von Waffen verschwendet Ressourcen, die besser zur Beseitigung der Armut und zur Bereitstellung von Bildung, Gesundheit und anderen öffentlichen Dienstleistungen genutzt werden können. Rüstungsrennen schaffen politische und militärische Instabilität und erhöhen die Chancen auf Krieg, und deshalb ist die Arbeit für die Abrüstung ein wichtiger Schritt in Richtung eines gesicherteren Friedens.
  5. Die Vereinten Nationen, wie in ihrer ursprünglichen Charta vorgesehen, sind nach wie vor das beste verfügbare internationale Instrument zur Förderung von Frieden und Zusammenarbeit. Wir sollten alle unsere nationalen Regierungen auffordern, sich stets an die Grundsätze der UN-Charta zu halten und sich für eine bessere UNO einzusetzen.
  6. Friedensinitiativen können jedoch nicht allein den Regierungen überlassen werden. Als Individuen müssen wir für den Frieden in unseren Leben arbeiten. Wir müssen auch in den Nachbarschaften, Nationen, Netzwerken und Organisationen, in denen wir Teil sind, daran arbeiten, den Frieden unter uns und eine friedliche Haltung gegenüber anderen zu fördern.
  7. Sich selbst definierende Gemeinschaften sind leider oft besser darin, den Frieden unter ihren eigenen Mitgliedern als zwischen ihnen und anderen Gruppen zu fördern. Gesunder Stolz auf unsere eigenen Traditionen und Menschen können zu leicht in einen ungesunden Wettbewerb oder gar in Verachtung gegenüber anderen Menschen umschlagen. Zu oft greifen Gemeinschaften auf eine gemeinsame Feindseligkeit gegenüber einem gemeinsamen Feind zurück, um ihre innere Einheit zu stärken. Menschen müssen sich ständig bemühen, diese Spaltungen zu überwinden und gemeinsam für Menschenrechte und -werte einzutreten.
  8. Staaten sollten sich in Richtung Demokratie und Säkularität bewegen, um zu gewährleisten, dass alle Personen, unabhängig von ihrer kulturellen oder religiösen Zugehörigkeit, in der Gesellschaft gleichbehandelt werden, und den Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen zu unterstützen, um Spannungen abzubauen und das gegenseitige Verständnis zu verbessern.
  9. Dauerhafter Frieden sollte dynamisch und nicht statisch sein. Wir müssen den lautstarken Frieden einer aufblühenden Stadt annehmen und sollten nicht versuchen, in den stillen Frieden eines Friedhofs zu entkommen. Frieden ist ein aktiver und kontinuierlicher Prozess, ein Weg, um Probleme gerecht und gewaltfrei zu lösen.

Wir verpflichten uns, für eine friedlichere Welt zu arbeiten, indem wir es HumanistInnen in verschiedenen Nationen ermöglichen, Verbindungen in einer globaleren humanistischen Gemeinschaft herzustellen, indem wir den friedlichen Austausch mit Menschen anderer Glaubensrichtungen fördern und unsere Delegationen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Institutionen unermüdlich für die Förderung einer friedlicheren globalen Kultur einsetzen.

Wir verfechten die grundlegende Bedeutung der Bildung von frühester Kindheit an und während des gesamten Lebens für den Aufbau einer friedlicheren Kultur und unterstützen alle nationalen und internationalen Entwicklungen, die die Bildung für den Frieden fördern.

Wir fordern jede unserer Mitgliedsorganisationen und HumanistInnen weltweit auf, sich für eine friedlichere Kultur in ihren eigenen Nationen einzusetzen, und wir fordern alle Regierungen auf, die friedliche Beilegung von Konflikten der Alternative von Gewalt und Krieg vorzuziehen.


Die Oslo-Deklaration von 2011 wurde im Rahmen des 18. World Humanist Congress von der Generalversammlung der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (jetzt Humanists International) beschlossen. Quelle: humanists.international

Sie können die Deklaration bekannter machen:

Mehr Texte hier: docs.humanistisch.net

 


Wollen Sie noch weiter helfen?

In drei Sprachen ist die Oslo-Deklaration bisher übersetzt worden. Übersetzungen in Weltsprachen wie Französisch, Portugiesisch, Arabisch, Chinesisch, Hindi, Japanisch, Russisch oder Koreanisch fehlen bislang allerdings. Um die Deklaration vielen weiteren Millionen Menschen mit der Offenheit für humanistische Auffassungen, Ideen und Werte weltweit zugänglich zu machen, suchen die Humanists International (HI) ehrenamtliche ÜbersetzerInnen.

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Dann melden Sie sich auf der HI-Webseite oder via E-Mail an office@humanists.international.

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